ARCHITEKTUR

Erbaut auf der Klippe, auf sich die römische Stadt begründete, ragt ihre Silhouette weit über die Stadtmauern hinaus und ist eines der Wahrzeichen der Strandpromenade von Palma.

Die Kathedrale wurde auf einer Klippe errichtet, die aus dem Meer herausragt und früher von ihm umspült wurde, wodurch die Kathedrale von Mallorca die einzige gotische Kathedrale war, die sich im Wasser widerspiegelte. Mit dem Bau des „Parque del Mar“ wurde dieser Effekt wiederhergestellt und heutzutage spiegelt sich die Silhouette der Kathedrale aufs Neue in der Oberfläche eines künstlichen Salzwassersees wider, der dieses Meer symbolisiert, welches einst die Stadtmauer umspülte. Diese außergewöhnliche Situation ist eines der charakteristischen Merkmale der Kathedrale.

Die Kathedrale von Mallorca wurde in Form einer dreischiffigen Basilika errichtet, deren Kopfende von einer in drei kleinere unterteilten Apside abgeschlossen wird. Das Hauptschiff ist 43,30 Meter hoch und 19,30 breit und die beiden Seitenschiffe haben eine Höhe von 29 Metern bei einer Breite von 10 Metern. Das Innere der Kathedrale vermittelt ein großes Gefühl von Weiträumigkeit und struktureller Leichtigkeit, die noch durch die achteckigen Sandsteinpfeiler aus den Steinbrüchen von Santanyí und Galdent (Llucmajor) betont wird: nur 14 Säulen trennen die Kirchenschiffe voneinander ab, sieben auf jeder Seite, die die verschiedenen Abschnitte. Sie haben großen Abstand voneinander (7,74 m), sind extrem schlank und vor allem sehr hoch (21,47m). Dieses Gefühl der Schwerelosigkeit wird verstärkt durch die Wirkung des Lichts, das durch die sieben Rosetten und 83 Fenster in das Innere der Kathedrale eindringt. Einige von ihnen wurden in den letzten zwanzig Jahren geöffnet und bestimmen das Innere der Kathedrale. All dies hat dazu beigetragen, dass die Kathedrale "die Kathedrale des Lichts" genannt wird.

All dies hat dazu beigetragen, dass die Kathedrale "die Kathedrale des Lichts" genannt wird.

Fassade der Almudaina 

Der Bau der Hauptfassade bedeutete das Ende der Bauarbeiten der Kathedrale. Die Fassade, wie sie sich uns heute zeigt, bewahrt vom Original nur das Renaissanceportal.

Das der Unbefleckten Empfängnis geweihte Portal datiert aus dem ersten Drittels des siebzehnten Jahrhunderts. Im Tympanon wird die Unbefleckte Empfängnis umgeben von fünfzehn auf eine „tadellose“ Heilige Maria bezogene biblische Symbole dargestellt.

Das Erdbeben des Jahres 1851 hinterließ die Fassade in einem bedrohlichen Zustand.  Mit ihrer Restaurierung wurde der Madrider Architekt Juan Bautista Peyronnet beauftragt, der es vorzog, die Portale der Seitenschiffe nicht zu bauen und zudem auch die beiden oberen Rosetten zumauerte. Darüber hinaus plante er einen Giebel im neugotischen Stil und zwei neue Stützpfeiler. Beim Tod des Architekten waren die Arbeiten noch nicht vollendet, sodass die Restaurierungsarbeiten von dem örtlichen Architekten Joaquim Pavia fortgesetzt wurden. Hierbei ist besonders die Statue der Jungfrau Maria, der Namensgeberin der Kathedrale hervozuheben, die sich im Giebel befindet und die Fassade krönt. Gaudí platzierte eine steinerne Stele auf dem Boden, die den Psalm 42 "wir begeben uns in das Haus Gottes wie das durstige Reh die Wasserquelle sucht" anpasst.

Taufkapelle

Ursprüchlich sah das Projekt der Kathedrale drei Eingangstüren in der Hauptfassade vor, die den drei Schiffen entsprachen, aber letztendlich wurde nur das zentrale Haupttor gebaut und die entsprechenden Innenräume der Seitenschiffe wurden zu Kapellen: im rechten Seitenschiff befindet sich nun die Taufkapelle. Es sei daran erinnert, dass die Taufkapelle auf einer der Grenzen des alten Kreuzganges der Kathedrale aus dem vierzehnten Jahrhundert steht, welche zur Fassade des späten sechzehnten Jahrhundert wurde. Diese von dem Kapuzinermönch und Architekten Miquel de Petra entworfene und zwischen 1790 und 1794 erbaute Kapelle zeichnet sich durch ihren sich sehr vom Baustil der Gotik oder den Verzierungen des Barock abweichenden Stil aus. In der Taufkapelle herrscht ein neoklassizistischer Stil vor, der in der Kathedrale nur vereinzelt zu sehen ist. Somit ist dieses Ensemble ein Zeugnis des frühklassizistischen Akademismus in der Kathedrale.

Die Dekoration der Kapelle beruht im wesentlichen auf ihrer Architektur. In der Mitte der Kapelle befindet sich das auf zwei Ständen platzierte Taufbecken. Glockenförmig, oval und ganz in der Tradition der alten Sarkophage, ist es aus einem einzigen Stück roten Marmors gearbeitet.

Kapelle des Heiligen Christus der Seelen

Die kleine Kapelle des Heiligen Christus der Seelen befindet sich drei Stufen über dem Niveau der Kirchenschiffe in den Mauern neben dem Hauptportal. Sie wurde in die Lücke gebaut, wo sich nach dem ursprünglichen Bauplan das linke Seitenportal der Kirche befunden hätte, das beim Umbau (1852-1887) durch den Architekten Joan Baptist Peyronnet zugemauert und 1894 im Zuge der Sanierung der Hauptfassade für den Gottesdienst geöffnet wurde. Die mit einem Spitzgewölbe mit Lünetten überspannte Kapelle wird durch eine Nachahmung des schmiedeeisernen Tors der Sakramentskapelle verschlossen.

Das alte, von dem Mallorquiner Tomàs Torres entworfene Altarbild des Heiligen Christus der Seelen, stellte in der zentralen Nische ein Bild des Christus der Seelen dar. Dieses Altarbild befand sich bis 1886 in die Kapelle des Heiligen Josef, als es in der Kapelle des Vorraums der Vermells-Sakristei platziert wurde und dieses gotische Portal bis zum Jahr 1894 verdeckte.

Heutzutage beherbergt die Kapelle Fragmente des ehemaligen Altarbildes des Heiligen Petrus, die bis dahin die heutzutage nach der Mitwirkung von Miquel Barcelo als die Sakramentskapelle bekannte  Kappel zierte.

Corpus Christi-Kapelle

Diese neben der Sakramentskapelle gelegene Apsiden-Kapelle nimmt die linke Apside des Kopfendes ein. Über ihrem Triumphbogen befindet sich ein im späten neunzehnten Jahrhundert gebrochenes Rosettenfenster. Im vierzehnten Jahrhundert erbaut, war diese Kapelle ursprünglich dem Heiligen Matthäus geweiht und danach unter der lateinischen Bezeichnnung "Corpus Christi" dem Herz-Jesu, eine Weihung, die sie auch heute noch bewahrt. Ihr prächtiges barockes Altarbild aus vergoldetem und vielfarbenen Holz wurde vermutlich im Jahre 1641 vollendet. Es ist das Werk des mallorquinischen Bildhauers Jaume Blanquer, der an der Rückseite des Altars bestattet ist, wo man seinen Grabstein während der letzten Restaurierungsarbeiten des Flügelaltars fand. Unter einem Mitte des vierzehnten Jahrhunderts in der linken Wand der Kapelle erbauten Arkosols befindet sich die mit Malereien verzierte mittelalterliche Grabstätte von Ramon Torrella, dem ersten Bischof von Mallorca nach der Eroberung durch Jakob I. 

Sakristei

Die Sakristei befindet sich im unteren Teil der Kapelle der Dreifaltigkeit. Sie wurde ursprünglich als ein einziger Raum geplant, der im nachhinein in zwei Bereiche unterteilt wurde: den Reliquiensaal im Erdgeschoss und das Kohlelager im ersten Stock.

Die Anordnung der Reliquienschränke und die Anbringung der Deckentäfelung unterteilte diesen Bereich in zwei Stockwerke.

Dieser für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Raum wurde zum Objekt archäologischer Studien, um Räumlichkeiten zurückzugewinnen, die im Laufe der Zeit zu Lagerräumen geworden waren. Die Arbeiten hatten oberflächliche Auswirkungen auf den Baugrund und bestanden im Wesentlichen aus der Entfernung des vorhandenen Fußbodenbelags, in Vorbereitung auf den neuen Fußboden und die mechanische Reinigung der Mauern.

Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit

Hinter der Königskapelle und leicht erhöht befindet sich die Kapelle der Dreifaltigkeit. Sie ist der älteste Teil der Kathedrale, der Ort, an dem ihr Bau seinen Anfang nahm. Die ersten dokumentarischen Belege zur Kathedrale von Mallorca datieren aus dem Jahr 1306, als König Jakob II seinem Testament ein Kodizill hinzufügte, in dem er den Bau einer der Heiligen Dreifaltigkeit geweihten Kapelle für seine eigene Grablegung und die seiner Nachkommen anordnete.

Die Kapelle wird seit 1904 von der aus vergoldetem Holz gearbeiteten Figur Unserer Lieben Frau von La Seu dominiert. Hierbei handelt es sich um ein wunderbares Exemplar eines Jungfrauen-Tabernakels aus dem vierzehnten Jahrhundert. Drei Fenster, deren Anzahl Symbolcharakter hat, erhellen die Kapelle von hinten. An den Seiten sichern zwei Grabgewölbe die ewige Ruhe der mallorquinischen Könige Jakob II und Jakob III.

Gaudí begann den Umbau der Kapelle im Jahr 1904, während dessen Verlauf er das große alte Barockretabel entfernte, welches den Hauptaltar ausfüllte und die Kapelle verdeckte, wodurch sie vom Rest der Kirche isoliert war. Im Jahr 1905 kehrten die sterblichen Überreste von Jakob III, die in Valencia bewahrt worden waren, nach Mallorca zurück. Die endgültige Restaurierung der Kapelle wurde von dem Architekten Gabriel Alomar zwischen 1946 und 1947 anläßlich der Einweihung der beiden neugotischen königlichen Alabastersarkophage durchgeführt.

Königskapelle

Das im vierzehnten Jahrhundert begonnene Presbyterium oder Königskapelle war der zweite Bauabschnitt der Kathedrale. Wenn man das Mittelschiff betrachtet, bildet die Königskapelle ein zweites Gotteshaus, genau wie die erhöhte Kapelle der Dreifaltigkeit in der Apsis den Beginn eines dritten anzeigt.

Den Namen Königskapelle erhielt sie aufgrund der anhaltenden Unterstützung des Königshauses von Mallorca, dessen Wappen seiner Mitglieder 16-mal zu sehen sind. In dieser Kapelle wurden die Exequien von Jakob II (1311) zelebriert und fanden die Krönungen der Könige Sancho (1311), Jakob III (1324) und Peter der Zeremoniöse (1343) statt. In den Schlußsteinen der Gewölbe erscheinen die Wappen des Königs und des Königreichs Mallorca.

In der Kapelle dominiert der gotische Bischofsstuhl aus weißem Marmor, von dem der Bischof den Vorsitz über die Zeremonien führte und der bis zum Jahr 1904 hinter dem alten barocken Altarbild des Hauptaltars, das auch den Bogen der Kapelle der Dreifaltigkeit verdeckte, verborgen war. Während der Restaurierung durch Antoni Gaudí, die vor allem den Bereich des Presbyteriums betraf, wurde unter anderem dieses Altarbild abgebaut, ein Teil des Chors aus dem Hauptschiff verlegt und der von Antoni Gaudí entworfene Lampen-Baldachin über dem Hochaltar angebracht.

Äußere Sakristei 

Es ist bekannt, dass die Äußere Sakristei der Kathedrale bereits im Jahr 1327 zwischen den Mauern der Königskapelle, der äußeren Apsis der Petruskapelle (heute Sakramentskapelle) und der Klippe über dem Meer errichtet worden war. Sieben Jahre später wurde über der Sakristei das heutzutage nicht mehr existierende Hostienhaus gebaut, in dem sich ein Ofen zur Herstellung der während der Eucharistiefeier ausgeteilten Hostien befand.

Der Zugang zu diesem Raum erfolgte über eine in die Innenwände der Sakristei gebaute Wendeltreppe, die teilweise während der Reformarbeiten von Antoni Gaudí verschwand.

Kapelle des Allerheiligsten

Die Sakramentskapelle der Kathedrale von Mallorca befindet sich in der rechten Seitenapsis der Chorapsis. Sie wurde im gotischen Stil erbaut und gehört zu den ältesten Teil des Kathedralengemäuers aus dem vierzehnten Jahrhundert. Sie war dem Heiligen Märtyrer Vinzenz geweiht und erscheint ein Jahrhundert später als dem Heiligen Petrus geweiht. Die beiden Kronprinzen, Peter von Portugal (gestorben 1256) und Pagano von Mallorca (1349), beide große Wohltäter der Kathedrale, wurden in dieser Kapelle beigesetzt. Der Raum hat sich mehrfach verändert, aufgrund der im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert durchgeführten Umbauten sowie des unbeabsichtigt verursachten Feuers, das diese Kapelle am 15. September 1819 traf und das vergoldete barocke Holzretabel sowie das Tabernakel zerstörte (16. Jhd.) und das gesamte Mauerwerk der Kapelle bedrohte. Die Restaurierungsarbeiten dauerten 20 Jahre, während denen ein neues Altarbild als Ersatz des bisherigen gebaut wurde. Es ist in neoklassizistischem Stil, aus Sandstein und Marmorputz mit Verzierungen aus lackiertem Holz und wurde im Jahr 1839 fertiggestellt. Diese Kapelle war in den Jahren 2001 bis 2006 Gegenstand der Arbeiten des mallorquinischen Künstlers Miquel Barcelo, nach deren Abschluss diese Kapelle dem Allerheiligsten Sakrament geweiht wurde.

 

Die Krypta

Dieser Raum war Gegenstand einer kürzlich durchgeführten Studie, die den Ursprung und mögliche Verwendungen dieser Räumlichkeit untersuchte.

Er ist ein unterirdischer, 2,65 Meter unter dem Erdgeschoss befindlicher Bereich, der von einem Deckengewölbe überspannt und dessen Boden mit hydraulischen Fliesen bedeckt ist. Er ähnelt einer Zisterne. Im Zugangsbereich, d.h., wo sich der Gang und die Treppe befinden, sind zwei Öffnungen in der Decke erhalten.

Im Hinblick auf die Nutzung dieses Raumes gab es mehrere Hypothesen. Nach Angaben der Archäologin Francisca Torres [1], wurde zunächst angenommen, dass es sich um eine Zisterne handelte, die als Krypta wiederverwendet wurde. Jedoch später, und aufgrund der zentralen Lage dieses Raumes innerhalb der Kathedrale, nämlich fast im Zentrum der Königskapelle, kam man zu der Annahme, dass dieser Raum von Anfang an als Krypta konzipiert worden sein könnte, obwohl beim Bau Techniken verwendet wurden, die für eine Zisterne typisch waren.

Kapelle des heiligen Antonius

Diese Kapelle befindet sich neben der Sakramentskapelle. Sie wurde im vierzehnten Jahrhundert erbaut und ist eines der letzten dokumentierten Werke von Guillem Sagrera, zu dieser Zeit der „Proto-maestro“ (erste Meister) der Kathedrale. Das Altarbild des heiligen Antonius von Padua wurde zwischen 1714 und 1720 auf Kosten des Stiftsherrn Antoni Figuera (1667-1747) geschaffen als Ersatz eines älteren, gotischen, dem Heiligen Wilhem gweihten Altarbildes, welches im Jahr 1716 aus dieser Kapelle entfernt wurde. Das aus vergoldetem Holz gearbeitete Altarbild ist das Werk des Architekten, Bildhauers und Dekorateurs Francisco Herrera aus Navarra. In der zentralen Nische ist das Bildnis des predigenden Schutzheiligen der Kapelle zu sehen. In der Attika des Retabels ist ein Hochrelief der heiligen Rosalia abgebildet, welcher die Kapelle seit 1720 geweiht ist.

Kapelle Unserer Lieben Frau von der Krone 

Die im vierzehnten Jahrhundert erbaute Kapelle war zunächst dem Erlöser (Passio Imaginis Salvatoris) geweiht und wies noch zwei weitere, den Heiligen Alexis und  Clemens geweihte Altäre auf. Später wurde sie zur Maria-Rosenkranz-Kapelle. Ihr Name hat ihren Ursprung in der Dornenkrone des Erlösers, die große Hingabe seitens der Gläubigen erlangte. Das barocke Altarbild ist aus vergoldetem Holz auf einem Marmorsockel. In einer Ecke der Kapelle befindet sich die gotische Grabstätte von Antoni Galiana, dem achten Bischof von Mallorca (1363-1375) und ersten auf der Insel geborenen, der ein großer Förderer des Kathedralenbaus war. In dieser Kapelle befindet sich auch die Skulptur der Dormition der Jungfrau Maria aus dem fünfzehnten Jahrhundert.

Kapelle des Heiligen Martin

Die Kapelle des Heiligen Martin von Tours stammt aus dem vierzehnten Jahrhundert und hatte zunächst zwei dem Erzengel Michael und dem Heiligen Honorat geweihte Altäre. Das barocke Altarbild aus vergoldetem Holz ist das Werk von Francisco de Herrera aus dem Jahr 1723. In der zentralen Nische sticht vor den Leinwänden mit Landschaften eine Figurengruppe  des Heiligen Martin zu Pferd und eines Pilgers hervor, dem er großzügig die Hälfte seines Mantels überlässt.

Kapelle des Heiligen Bernhard

Das Gemäuer der Kapelle des heiligen Bernhard von Clairvaux ist chronologisch im vierzehnten Jahrhundert datiert. Am 30. August 1912 brach ein großes Feuer aus, das die Wände, das Gewölbe und die Gräber der Kapelle niederbrannte und ausserdem auch das Altarbild von Francisco de Herrera vollständig zerstörte. Einzig das Torgitter der Kapelle und die Lampe entkamen den Flammen. Die Restaurierungsarbeiten dauerten neun Jahre, von 1913 bis 1921. Am 19. August 1921, dem Vorabend des Festes zu Ehren des Namenspatrons der Kapelle fand die feierliche Einweihung der Kapelle nach ihrer Restaurierung statt, welche von dem katalanischen Architekten Joan Rubió Bellver geleitet worden war. Der Entwurf des neuen Altarbildes des heiligen Bernhard im neugotischen Stil war von ihm und dessen Ausführung in Alabaster das Werk von Tomás Vila. Auf Anregung von Antoni Gaudí wurden die Statuen dreier Kirchenlehrer der Westkirche in den Sockeln der Bögen platziert: der Heilige Augustinus, der Heilige Gregor der Große und der Heilige Ambrosius sowie drei der Ostkirche: der Heilige Cyrill, der Heilige Basilius und der Heilige Johannes Chrysostomus. Zudem wurden im Jahr 1916 drei große Buntglasfenster von Darius Vilar geöffnet, die drei Szenen aus dem Leben des namensgebenden Heiligen zeigen: den Eintritt des Heiligen Bernhard in den Zisterzienserorden, sein Ministerium und seine Verherrlichung.

Mirador-Portal

Im fünften Abschnitt des Hauptschiffs öffnet sich das Mirador-Portal in der Südfassade der Kathedrale. Mit seinem Bau wurde während des Pontifikats des Pere de Cima gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts, etwa im Jahr 1389 begonnen. Zu Beginn wurden die Arbeiten vom Meister Pere Morey geleitet, der auf die Mitarbeit von Jean de Valenciennes und Rich Alamant zählte. Es ist bekannt, dass nach dem Tod des Meisters im Jahr 1394 Pere de Sant Joan, Antoni Canet und Guillem Sagrera mitwirkten, wobei letzter die Arbeiten zwei Jahrzehnten lang leitete.

Auf der Außenseite erstreckt sich das Portal bis zu den Strebepfeilern und schafft einen Bereich in Form eines großen rechteckigen Atriums, über das sich ein Kreuzgewölbe spannt. An der Rückseite befinden sich zwei durch eine Mittelsäule getrennte Türen. Außen gibt es einen großen Spitzbogen, dessen Umriss von Blumenrosetten umrangt sowie seitlich von zwei schmalen Giebeln und einem Blindbogen im oberen Teil eingerahmt ist. Das Innere ist mit einem großen Giebel auf den Spitzbögen verziert, die als Archivolten des Portals über das Tympanon verlaufen.

Kapelle Unsere Liebe Frau der Stufe (oder Kapelle Unserer Lieben Frau Mariä Himmelfahrt)

Im Jahr 1402 auf dem Grundstück des ehemaligen Klosters begonnen, wurde sie im Juli 1404 mit dem Schlußtein fertiggestellt. Bereits im Jahr 1407 war diese Kapelle als Kapelle der Elftausend Jungfrauen oder Kapelle Unsere Liebe Frau der Stufe bekannt, aufgrund einer Holzschnitzerei der Jungfrau Maria aus dem dreizehnten Jahrhundert, der sogenannten Jungfrau Maria der Stufe in Erinnerung an die alte Treppenstufe, welche die Unebenheit des ursprünglichen Bodens des ehemaligen Klosters beim Zutritt in das Gebäude ausglich und im Jahr 1736 nivelliert wurde. Es handelt sich hierbei um die einzige Klosterkapelle aus dem 14. Jahrhundert. Derzeit befindet sich die Figur in einer Nische des achtzehnten Jahrhunderts.

Seit 1574 ist diese Kapelle Unserer Lieben Frau Mariä Himmelfahrt geweiht. Seit 1890 wird sie zudem auch Kapelle Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel genannt, aufgrund des neuen Gemäldes, welches ein anderes, früheres und Mariä Himmelfahrt gewidmetes Bild ersetzte. Das barocke Altarbild aus Holz wurde im Jahre 1665 von Damian Cremades vergoldet. Das künstlerische schmiedeiserne Gitter aus dem späten sechzehnten Jahrhundert ist ein wertvolles Beispiel der Schmiedekunst.

Herz-Jesu-Kapelle

Dies ist die zweite Kapelle, die auf dem Gelände des ehemaligen Klosters errichtet wurde. Am 4. April 1407 legten die „Jurats de Mallorca“ (Verwalter des Königreichs Mallorca), unter deren Schirmherrschaft die Kapelle stand, den Grundstein. Die Kapelle wurde dem Schutzengel des Königreichs Mallorca geweiht, zu dessen Ehren jedes Jahr im Oktober ein feierlicher, doppeltlanger Gottesdienst mit Prozession gefeiert wurde. Das ehemalige Altarbild war dem Schutzengel des Köngigreichs Mallorca gewidmet (das Gemälde mit seiner Darstellung befindet sich derzeit im zweiten Flügel des Altars). Im Jahre 1680 wurde die Kapelle dem Heiligen Vincent Ferrer, dem zweiten Schutzheiligen des Königreichs geweiht und noch im selben Jahr wurde in Erwartung eines neuen Altarbildes vorübergehend ein Gemälde mit der Darstellung des neuen Schutzheiligen aufgehängt. Sechs Jahre später wurde ein dem Heiligen gewidmeter Flügelaltar geschaffen, in dessen zweitem Flügel sich ein aus dem alten Altarbild stammendes Gemälde des Schutzengels befindet. Im Jahr 1890 wurde die neue Figur des Herz-Jesu gesegnet, dem die Kapelle geweiht ist. Diese Schnitzerei von Guillem Galmés ersetzte das alte Gemälde des valencianischen Heiligen. Das zwischen dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert geschaffene Altarbild des Herz-Jesu sowie die Gemälde an beiden Seiten sind Werke von Ricardo Anckerman.

Kapelle des heiligen Benedikt

Diese ehemalige Kapelle der Heiligen Magdalena war die erste Kapelle des Kirchenschiffs auf der Seite der Epistel und die dritte, die auf dem Gelände des ehemaligen Klosters errichtet wurde. Am 10. Oktober 1586  wurde sie dem Stiftsherrn Antoni Garau übergeben, der sie dem Heiligen Hieronymus weihte. Zwei Jahre später, im Jahr 1588, wurde die Kapelle der Familie Armengol konzediert, welche das heutige Altarbild und die Unserer Liebe Frau der Seefahrer geweihte Kapelle, deren Abbild im oberen Teil des Altarbildes zu sehen ist, in Auftrag gab. Im Jahr 1738 wurde die Kapelle dem Heiligen Benedikt geweiht. Das Altarbild des Heiligen Benedikt nimmt die gesamte Rückwand der Kapelle ein. Hierbei handelt es sich um ein barockes Altarbild aus vergoldetem Holz mit einer Holzstatue Unserer Lieben Frau der Seefahrer, die in ihrer linken Hand das Jesuskind und in der rechten ein Schiff hält und Andreu Carbonell zugeschrieben wird. Ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter verschließt die Kapelle, deren Wände Stuckdekorationen aufweisen, die Antonio Soldatti zugeschrieben werden.

Kapelle der Unbefleckten Empfängnis

Bei dieser Kapelle handelt es sich um die letzte Kapelle des ehemaligen Kreuzganges. Ihr Bau wurde im Jahre 1574 mit der Platzierung des Schlusssteins abgeschlossen. Sie ist die erste Kapelle auf der Evangelienseite und verfügt über ein der Unbefleckten Empfängnis geweihtes barockes Altarbild, welches Johann von Aragón zugeschrieben worden ist. Im Mittelflügel sticht das Bild Unserer Lieben Frau der Unbefleckten Empfängnis hervor, die im Jahr 1643 zur Schutzpatronin von Mallorca erklärt wurde. Der dritte Flügel stellt ein Basrelief der Jungfrau dar. Später wurden die Wände der Kapelle weiß und blau gestrichen, um der Kapelle ein griechisch-römisches Aussehen zu verleihen.

Kapelle des Heiligen Sebastian

Diese Kapelle ist dem heiligen Sebastian geweiht, der im Jahre 1634 zum Schutzpatron der Stadt Palma erklärt wurde. Am 16. September 1518 erwirkten die “Jurats de Mallorca“ diese Kapelle vom Domkapitel. Fast zwei Jahrhunderte später, im Jahre 1711, brach hier aufgrund eines Blitzschlages ein Feuer aus, woraufhin sich die Jurats der Stadt Palma anboten bei der Restaurierung zu helfen und ein neues Altarbild zu bezahlen. Der barocke Altarbild des Heiligen Sebastian aus vergoldetem Holz auf einem Steinsockel wurde von Francisco Herrera (1711) entworfen und seine Ausführung bedurfte der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Das Retabel wird beherrscht von der Figur des an einen Baum gebundenen und von Pfeilen durchbohrten Schutzheiligen, zu dem sich auch weitere Figuren mallorquinischer Heiliger und verschiedene geringerer Schutzheiliger der Stadt und des ehemaligen Königreichs Mallorca gesellen. Die Kapelle wurde im Jahr 1755 vergoldet.

Kapelle des Heiligen Josef

Neben dem Innenraum des Almoina-Portals befindet sich die den Heiligen Seelen geweihte Kapelle des Heiligen Josef. Diese erste Klosterkapelle des Kirchenschiffs der Almoina wurde in den Jahren 1885 und 1886 einer kompletten Renovierung unterzogen, die im Großen und Ganzen in der Entfernung des Stucks von Gewölben und Mauern, der Wiederherstellung des generellen Aussehens des Mauerwerks der Kirche, der Öffnung des Spitzbogens über dem Fenster und der Verlegung von Marmorsteinplatten bestand. Das neugotische Altarbild aus vergoldetem Holz des Bildhauers Guillem Galmés wurde im März 1886 gesegnet. Im Mittelflügel wird die Figur des Heiligen Josef verehrt. Der alte Flügelaltar wurde aufgrund des Wechsels des Namensträgers im Jahr 1886 in die Kapelle der Vermells-Sakristei gebracht, wo er bis 1896 blieb, als er schließlich in die heutige Kapelle der Heiligen Seelen platziert wurde. Der Raum wird von einem wunderschönen schmiedeeisernen gotischen Tor verschlossen, das aus der Kapelle des Heiligen Petrus stammt, von wo es nach dem Brand von 1819 entfernt wurde. Das vorherige Gitter wurde 1886 in die Kapelle des Heiligen Martin verlegt.

Die "Almoina”-Fassade 

Nach der Fertigstellung des angrenzenden Glockenturms wurde im Jahr 1498 mit dem Bau der “Almoina”-Fassade begonnen.

Wegen des Glockenturms und einer Reihe von Nebengebäuden ist sie die kürzeste Fassade. Sie erhielt ihren Namen von ihrem Nachbargebäude, das im Jahr 1529 errichtet wurde, um die vom Domkapitel verwalteten Almosen (Katalanisch: „Almoina“) auszugeben.

Das im Jahr 1498 von Francesc Sagrera entworfene und aus Santanyí-Sandstein  gebaute Portal, zeigt ein einfacheres Profil als die übrigen Portale und ist besonders aufgrund der Reinheit seiner Linien bemerkenswert. Ein großer Spitzbogen, gestützt auf Türpfosten und gekrönt von Blumenrosetten umrahmt ein Tympanon mit einem einzigen Bild der Jungfrau aus dem 16. Jahrhundert. Nicht zu vergessen ist, dass auch die Tympanon des Almudaina-Portals und des Mirador-Portals das Bild der Namensgeberin der Kirche darstellen. Als Dekoration der Fassade wurden Wasserspeier an den Dachdränagen der Strebepfeiler angebracht.

Kapelle des Vorraums der Vermells-Sakristei (Atrium der „Vermells-Sakristei”)

Diese Kapelle, die erste der Kreuzgangkapellen, wurde von Pere de Morella, dem zweiten Bischof von Mallorca (1266-1282) auf dem Friedhof der Kathedrale errichtet. Am 30. August 1404 wurde der Grundstein dieser damals nach der Heiligen Katharina und später nach der Heiligen Praxedis und dem Heiligen Antonius benannten Kapelle gelegt. Im Jahr 1886 war sie als Kapelle der Heiligen Seelen bekannt, da sie ein ihnen geweihtes Altarbild beherbergte. Heute ist sie schlicht der Vorraum der Vermells-Sakristei, ohne Weihung oder Altar. Am Eingang zur Kapelle kann man seit 1904 das von Juan de Salas geschaffene Renaissance-Portal des ehemaligen Chorgestühls bewundern, das früher das Zentrum des Kirchenschiffes einnahm.

Das Portal, das Zutritt zur Vermells-Sakristei bietet, ist im gotischen Stil erbaut und verläuft durch die Wand am Fuße des Glockenturms. Seine einzige bildhauerische Ausschmückung besteht in einer entlang des Gesims unter dem Tympanon verlaufenden Stuckverzierung, die eine polychrome Skulpturengruppe der von zwei Engeln flankierten Jungfrau Maria mit Kind auf dem Thron darstellt.

Kapelle der Schmerzensmutter 

Die von einem niedrigen Radialgewölbe gedeckte Kapelle der Schmerzensmutter besticht durch einen großen, im Jahr 1478 errichteten und mit Skulpturen verzierten Segmentbogen am Eingang. Über diesem Bogen befindet sich die im Jahre 1795 von Gabriel Thomas, dem aus Llucmayor stammenden Orgelbauer nach Plänen von Pedro José Bosch gebauten Orgel. Die Wände der Kapelle werden von dreiunddreißig religiösen Gemälden geschmückt, von denen einige die Extrados und Intrados des Gewölbes zieren. Ursprünglich (1399) der Heiligen Anna, dem Heiligen Jakobus und später den Kirchengelehrten Cosmas und Damian geweiht, wurde sie im Jahre 1622 auch zur Kapelle des Heiligen Simon und des Heiligen Judas ernannt. Später wurde sie die Kapelle des Heiligen Cabrit und des Heiligen Bassa sowie des Heiligen Stefan. Das barocke Altarbild der Pietà aus dem Jahre 1689 beherrscht die Kapelle. Im späten fünfzehnten Jahrhundert hatte die Kapelle dank zweier reich verzierter Portale doppelten Zugang zum gotischen Kapitelhaus. Aus unbekannten Gründen wurde eines dieser Portale entfernt und die Lücke zugemauert. In dieser Kapelle befindet sich auch eine der von Gaudí entworfenen Vortreppen.

Kapelle der Kreuzabnahme Jesu Christi 

Erbaut im vierzehnten Jahrhundert, verfügte sie im Jahre 1399 über drei Altäre für die Heilige Cäcilie (in der Mitte), den Heiligen Blasius und alle Märtyrer. Heutzutage ist sie der Kreuzabnahme Jesu Christi geweiht, dessen Bildnis in Lebensgröße am 1. November 1742 aus der Kapelle Unserer Lieben Frau von der Stufe hierher gebracht wurde. Seither befindet sich die Figur an der Rückseite des Altars der Kreuzabnahme Jesu Christi und wird verdeckt von einem die Kreuzabnahme Jesu Christi darstellenden Gemälde des mallorquinischen Malers Ricardo Anckerman. Diese Figur wird für die Zeremonie der Abnahme vom Kreuz am Karfreitag verwendet. Das heutige barocke Altarbild aus unvergoldetem Holz wurde in 1729 fertiggestellt. Die Kapelle wurde im Jahre 1739 wieder aufgebaut, da sie sich in einem ruinösen Zustand befand. Seit Dezember 1974 wird die Kapelle von dem wunderschönen Originalgitter des Architekten Guillem Reinés verschlossen, das aus der Kirche der Schwestern der Kongregation „Maria Reparadora“ stammt.

Kapelle des Heiligen Hieronymus 

Hierbei handelt es sich um die erste Kapelle im linken Seitenschiff. Im vierzehnten Jahrhundert war sie der Heiligen Maria Magdalena geweiht. Gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts wurde sie vom Stiftsherrn Jerome Garau, dessen Wappen an beiden Enden des Altarsockels eingemeißelt ist, dem Heiligen Hieronymus geweiht. Man nimmt an, dass das Altarbild des Heiligen Hieronymus von Gaspar Homs zwischen 1593 und 1600 geschaffen wurde. In der zentralen Nische ist eine Figur des Schutzheiligen dargestellt. Die Kapelle wurde im Jahre 1759 renoviert. An der rechten Wand des Raumes befindet sich das von Jose Antonio Folch geschaffene Marmor-Mausoleum des Marquis de la Romana, das sich ursprünglich und bis zu deren Abriss in der Klosterkirche von Santo Domingo in Palma befand. Dieses Werk ist das wichtigste Beispiel des Neoklassizismus in der Kathedrale von Mallorca.

Der barocke Kreuzgang

Östlich des Glockenturms befindet sich der barocke Kreuzgang (1709-1710), der auf dem Gelände des ehemaligen Garten des Kapitelhauses sowie einem angrenzenden Grundstück errichtet wurde..

Vollständig aus Santanyí-Sandstein gebaut, wurde er um einen rechteckigen Hof errichtet, in dessen Mitte sich eine Zisterne mit einem Brunnen befindet. Der Hof wird von vier Gängen umrundet, die mit Kreuzgratgewölben aus jeweils zwanzig Rundbögen bedeckt sind, von denen sich sechs an den langen und vier an den kurzen Seiten befinden und sich auf Säulen mit Kompositkapitellen erheben. Die Durchgangsbögen sind an dieser Stelle abgeplattet und jeder von ihnen lässt einen verzierten Schild erkennen: auf der Ostseite stellt er ein Bildnis der heiligen Maria dar, während der auf der Westseite das Anagramm ihres Namens trägt.

Der ehemalige mittelalterliche Kreuzgang aus dem vierzehnten Jahrhundert befand sich seinerzeit nicht an dieser Stelle, sondern erstreckte sich zwischen der Kirche und dem Almudaina-Palast und wurde abgerissen, um im sechzehnten Jahrhundert Platz zu schaffen für das Kirchengebäude.

Der heutige Kreuzgang wurde nicht als Ersatz für den mittelalterlichen gebaut, sondern war von Anfang an den bürokratischen und sozialen Aktivitäten des Domkapitels gewidmet, weshalb er sich neben der Bibliothek, dem Archiv und anderen Büros befand.

In den Jahren 2013 und 2014 wurde der Kreuzgang restauriert.

Der barocke Kapitelsaal

Der 1696 entworfene und 1701 fertiggestellte barocke Kapitelsaal war zusammen mit dem Kreuzgang Teil der im späten siebzehnten und frühen achtzehnten Jahrhundert vom Domkapitel bevorzugten Barock-Architektur.

Er hat einen elliptischen Grundriss und ist das erste Beispiel des Inselbarocks mit einem Grundriss dieser Art. Er wird Francisco Herrera zugeschrieben und ist ein Vorläufer dessen, den er in der Kirche zur Immerwährenden Hilfe in Palma im Jahr 1707 ausführte.

Acht Säulen mit schraubenförmiger Kannelierung stützen das Gebälk, von dem aus die Kreuzrippen die Kuppel in acht Wandflächen unterteilen, in denen sich jeweils ein Bullauge befindet. Die Rippen laufen im zentralen Schlußstein der Kuppel zusammen, der mit einem Medaillon mit einer Darstellung der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Thron und umgeben von acht Engeln verziert ist. Die Kuppel ist über und über mit Reliefs pflanzlicher Motive bedeckt.

Das monumentale Eingangstor zum Kapitelhaus befindet sich an einem Ende der Hauptachse. Es wird von drei die drei theologischen Tugenden repräsentierenden Figuren gekrönt und zeigt im Tympanon die Jungfrau unter einer Muschel, umgeben von nackten Engeln und mit zwei Delphinen an den Seiten.

Dieser zum Museum des Domkapitels gehördende Saal wurde im Jahr 2001 restauriert.

Der gotische Kapitelsaal

In den christlichen Kathedralen der westlichen Welt war der Kapitelsaal der Ort, an dem sich das Domkapitel, das heißt, jene Gruppe der für die Durchführung der feierlichsten lithurgischen Funktionen in der Kathedrale und deren Verwaltung verantwortlichen Kanoniker einer Kathedrale offiziell zusammenkamen. In der Kathedrale von Mallorca gibt es zwei Kapitelsäle: den gotischen Kapitelsaal und den barocken Kapitelsaal.

Der alte gotische Kaiptelsaal befand sich neben der Ostfassade des Glockenturms. Dieses Gebäude war ursprünglich nicht an die Kathedrale angegliedert, bis zu dem Moment als es mit der Rückseite der Kapelle der Heiligen Anna verbunden wurde (der heutigen Kapelle der Barmherzigkeit).

Er wird Pere Morey zugeschrieben, der Ende des vierzehnten Jahrhunderts mit dem Bau begann. Danach übernahm Guillem Sagrera, der das Werk zwischen 1407 und 1429 während des Bistums von Lluís Prades fertigstellte, welcher die Arbeiten zumindest teilweise bezahlt haben muss, da sein Wappen im Schlußstein eines der Gewölbe erscheint.

In der Mitte des Saales befindet sich der Grabstein des Bischofs Gil Sánchez Muñoz, sowie auch die barocken Portale des Kreuzganges und des barocken Kapitelsaales.

Das Almosenhaus “Casa de la Almoina”

Direkt an den Glockenturm wurde im Jahr 1529 das Almosenhaus gebaut, wie im Schlußstein des Eingangsbogens eingemeißelt ist. Es erhielt seinen Namen von den Almosen (almoina  in Katalanisch), die hier nach ihrer Teilnahme an der Messe an die Armen und Kranken verteilt wurden. Es wurde auch “Casa de las Escuelas”  (Haus der Schulen) genannt, aufgrund des Unterrichts, der hier jahrelang gehalten wurde. Zudem diente es auch als Oratorium. Dieses Gebäude verlieh der benachbarten Fassade und bis zum Jahr 2010 auch dem sich davor befinden Platz seinen Namen, der heutzutage “Plaça de la Seu” (Seu-Platz) heißt.

Der Entwurf dieses Gebäudes, das ein interessantes Beispiel der zivilen mallorquinischen Gotik darstellt, wird einem Schüler von Guillem Sagrera zugeschrieben, wahrscheinlich dessen Sohn Francesc.

Der Innenraum ist in zwei Stockwerke mit rechteckigem Grundriss und einer spektakulären Holzkassettendecke  untergeteilt. Das Erdgeschoss, in das man durch ein von zwei quadratischen trichterförmigen Oberlichtern flankiertes Spitzbogenportal gelangt, weist Überreste einer geometrischen Wanddekoration auf. Früher beherbergte das Erdgeschoss eine Kapelle und ist heutzutage der Eingang zum Dommuseum. Eine schmale Wendeltreppe ermöglicht den Zugang zum ersten Stock, in dem das Archiv des Domkapitels und ein Forschungsraum untergebracht sind.

Vermells-Sakristei 

Die Vermells-Sakristei, früher die Allerheiligen-Kapelle, entstand 1633 im Erdgeschoss des Glockenturms und wurde später, im Jahr 1721, restauriert.

Dieser Raum erhielt seinen Namen von der Farbe der Gewänder der zwölf kleinen Sänger, die hier früher ihre roten Umhänge an- und ablegten. Heutzutage ist er einer der Säle des Dommuseums und beherbergt Werke aus dem Mittelalter.

In dem diesen Raum überspannenden Kreuzrippengewölbe kan man auch heute noch polychrome Reste bewundern.

Der Glockenturm

Auf einer anderen Achse als der der Kathedrale wurde im späten fünfzehnten Jahrhundert der 47,80 Meter hohe Glockenturm errichtet. Der quadratische, breite und massige Glockenturm der Kathedrale besteht aus drei übereinanderliegenden Teilen, die durch ein Gesims voneinander getrennt sind. Der Turm wird von einer unvollendeten Struktur sternförmiger Stützpfeiler gekrönt, die der geplanten oktogonalen Laterne entspricht, die im Jahre 1498 ungebaut blieb.

Im Innern des Glockenturms befindet sich im ersten Stock die mit einem Kreuzrippengewölbe überspannte Vermells-Sakristei. In der oberen Etage, die über eine Wendeltreppe mit 215 Stufen zu erreichen ist, befinden sich das außerordentliche Glockenensemble der Kathedrale, das als eines der komplettesten Ensemble mittelalterlicher Glocken in ganz Westeuropa gilt. Im Inneren des Glockenturms sind auch wichtige Graffiti erhalten, deren Studie ergeben haben, dass er zwischen dem fünfzehnten und achtzehnten Jahrhundert als Zufluchtsstätte genutzt wurde.

Zwischen 2013 und 2015 wurden der Glockenturm und die Glocken der Kathedrale von Mallorca renoviert und restauriert.

 

Die Graffiti des Glockenturms 

Die Kathedrale ist voller Graffiti, aber der Glockenturm ist der Ort, wo wir die meisten und wichtigsten finden, vor allem im Glockensaal.

Die mit Einschnitten oder Pigmenten ausgeführten Graffiti beinhalten Inschriften und Zeichnungen. Der zeitliche Rahmen der Inschriften umfasst die Zeit vom fünfzehnten bis achtzehnten Jahrhundert, wobei diejenigen aus dem siebzehnten Jahrhundert vorherrschen.

Eine erste Gruppe von Inschriften wird dem Dienstpersonal der Kathedrale zugeschrieben, Personen, die mit dem Bau und dem Kult in Zusammenhang standen (Glöckner, Geistliche, Küster, Steinmetze, etc.), während eine zweite und größte Gruppe das Werk der Asylanten ist, die der Verfolgung durch die Justiz auswichen, indem sie an einem heiligen Ort Zuflucht suchten [1].

Diese Inschriften folgen, im Rahmen des Klima der Gewalt und Instabilität, das im siebzehnten Jahrhundert in der Stadt Mallorca herrschte, einem gemeinsamen Muster: sie zeigen Vor- und Familiennamen, einige nennen das Handwerk des Autors und schließlich den Zeitpunkt der Inschrift [2].

Was die Zeichnungen betrifft, so sind sie üblicherweise neben den Inschriften zu finden, können aber auch alleine erscheinen. Es handelt sich hierbei um einfache Designs, unter denen man anthropomorphe Darstellungen, Kontoaufzeichnungen, Darstellungen von Kreuzen und Waffen und sogar die schwierige Darstellung von Schiffen antrifft.